Nachrichten aus dem Verein und vereinsübergreifende Nachrichten

Mühlendatenbank erweitert

Um 18 Mühlen sowie um 132 Müller und Mühlenburschen habe ich im Dezember 2018 die „Mühlendatenbank" respektive die Datenbank „Müller & Mühlenburschen" auf der Homepage vom „Heimat und Geschichtsverein Goldene Aue e. V." erweitert. Diese Erweiterungen wurden folgenden Orten zugeordnet: Allstedt, Edersleben, Hackpfüffel, Lodersleben, Oberröblingen, Riestedt, Vatterode, Voigtstedt und Wippra.
In diesem Kontext soll die Rohrbacher Mühle – auch Klostermühle genannt – näher betrachtet werden. Diese Mühle befand sich etwa 1,5 km westlich der Ortslage Oberröblingen am Mühlgraben und wurde wie der nahe dieses Mühlgrabens gelegene Röblinger Mühlgraben mittels der die Helme regulierende Wehrspitze bei Rohrbach mit Helmewasser versorgt. Zunächst mit zwei Mahlgängen ausgestattet, wurde die Mühle im 19. Jahrhundert um einen Mahlgang erweitert.
Bis 1539 dem Kloster Rohrbach gehörend, wurden im Zuge der Reformation Kloster und Mühle nun Kammergut der Herzöge, später der Kurfürsten von Sachsen. 1589 kauften die als Ratsherren Oberröblingens genannten Lorenz Hochhelm (Schultheiß), Joachim Hartmann und Ulrich Tettenborn die Rohrbacher Mühle. Ob die genannten Herren die Mühle als Grundbesitzer oder als Erbpächter erworben hatten, geht aus den mir vorliegenden Akten nicht hervor. Vermutlich war die Mühle bereits 1558 vom Kurfürsten veräußert worden, da in diesem Jahr Paul Appelmann die Klosterschäferei mit 106 Acker-Wiesen für 4200 Florentiner erworben hatte. Wohl in diesem Zeitkontext wird das Klostergut geteilt worden sein. Deutlich wird diese Teilung 1734, als Johann Konrad Stief zum einen Besitzer des Klosters Rohrbach, zum anderen Erbpächter der Klostermühle war. Die Erbpacht – als Form des Grundbesitzes – blieb auch 1738 bestehen, als die Gemeinde Oberröblingen mit geliehenem Geld die Klostermühle kaufte und somit Grundeigentümer dieser Mühle wurde. Erbpächter in diesem Jahr wie in den folgenden Jahren waren die jeweiligen Müller der Mühle. Nach dem Handelsbuch des Amtes Sangerhausen Band 18 zahlte der Erbpachtmüller der Klostermühle, Johann Jahr, infolge des 1739 neu vereinbarten Erbpachtvertrages 400 Gulden Erbbestandsgeld.
1745 verklagte der Erbpächter der Mühle des Rittergutes zu Oberröblingen den – im gleichen Rechtsverhältnis stehenden – Müller der Rohrbacher Mühle. Dabei ging es um das Privileg des Mahlens und Schrotens des Korns der Einwohner Oberröblingens. Dieser Rechtsstreit wurde mit einem Rechtsspruch, den Friedrich Schmidt in seiner Handschriftlichen Chronik von Oberröblingen 1893 festhielt, beendet: Demnach wären die Beklagten nicht an die Rittergutsmühle gebunden, wenn diese beeiden würden, dass sie mehr als 31 Jahre, sechs Wochen und drei Tage frei und ungehindert in der Mühle zu Rohrbach gemahlen hätten. Eine Berufung des Klägers vor dem Hofgericht zu Leipzig blieb erfolglos. Dass dieser Streit über Jahrzehnte währte, zeigt eine Beschwerde des Müllers der Rittergutsmühle, Christoph Rabe, vor dem Amt Sangerhausen aus dem Jahre 1696.
1764 wird August Leißner als Eigentumsmüller bezeichnet. In diesem Kontext wurde Mitte des 18. Jh. das Rechtsverhältnis der Erbpacht beendet; die jeweiligen Müller betrieben die Mühle nun als freie Eigentümer – mit dem Recht zur Verpachtung der Mühle. Nach den Separationsakten ist 1859 Gottfried Eckstein Besitzer der Rohrbacher Mühle. Zeitnah annoncierte Hermann Conrad im Sangerhäuser Kreisblatt als Pächter der genannten Mühle.
Gottfried Eckstein, seit 1832 Besitzer der Rohrbacher Mühle, gab – nach dem großen Brand 1857 in der Oberröblinger Riethgasse mit 16 abgebrannten Gehöften – im Jahr darauf zehn Taler für die „Abgebrannten" dieser Riethgasse. Die meisten der auf Eckstein folgenden Besitzer der Mühle verpachteten diese ebenso. 1928 brannte die Rohbacher Mühle vollständig ab. Der damalige Mühlenbesitzer Sehnert konnte die Mühle wieder aufbauen, nachdem die Versicherung Brandschäden in einer Höhe von 70 000 Mark reguliert hatte. Zu DDR-Zeiten befand sich im Bereich der Mühle eine Geflügelfarm.
Nach dem derzeitigen Stand der Mühlendatenbank konnten bis jetzt 24 Eigentumsmüller, Pachtmüller und Mühlburschen in der Rohrbacher Mühle nachgewiesen werden.

Rohrbacher Mühle ca. 1910Rohrbacher Mühle ca. 1910

Tilledaer Glockengeschichten

Tilleda bekommt in diesem Sommer zwei neue Kirchenglocken

Wer einmal die Gelegenheit hat, sich in der Taufkirche Martin Luthers in Lutherstadt Eisleben die über 500 Jahre alten Kirchenglocken anzuschauen, wird dort den Namen des Glockengießers Paul Mos entdecken. Gleiches fand Michael Richter, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins „Goldene Aue", bei seinen Recherchen zur Glockengeschichte der Sankt-Salvator-Kirche in Tilleda heraus. Auch Tilleda besaß einst eine Glocke dieses berühmten Gießers, gegossen im Jahre 1514. Sie läutete also die Reformation in Tilleda mit ein und das Schicksal wollte es, dass sie am Reformationstag, dem 31. Oktober 1892, zersprang und unbrauchbar wurde. Vor dem Einschmelzen wurde noch die Glockenzier abgeformt und blieb als Gipsabguss im Pfarrarchiv erhalten. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Medaillons der Kreuzigungsdarstellungen der Glocke von Eisleben und Tilleda bis in das kleinste Detail gleichen.
Diese und weitere spannende Details aus der Geschichte der Tilledaer Glocken stellte Michael Richter kürzlich in einem gut besuchten Vortrag in der „Goldenen Gabel" in Tilleda vor. Anlass war der geplante Neuguss von zwei Kirchenglocken in diesem Sommer. Damit bekommt Sankt-Salvator im Jahre 2018 nach 76 Jahren wieder ein komplettes Geläut.

Michael Richter vor der im Jahre 1509 von Paul Mos in Eisleben gegossen Kirchenglocke. Sie hängt in der Kirche Sankt Petri-Pauli, der Taufkirche Martin Luthers. Der gleiche Gießer hatte 1514 eine Glocke in Tilleda gegossen.Michael Richter vor der im Jahre 1509 von Paul Mos in Eisleben gegossen Kirchenglocke. Sie hängt in der Kirche Sankt Petri-Pauli, der Taufkirche Martin Luthers. Der gleiche Gießer hatte 1514 eine Glocke in Tilleda gegossen.

Heft 2 der „Heimatblätter“ veröffentlicht

 

Heimatblätter 2018Heimatblätter 2018 

Inhalt:

 

 

Der Banner der freiwilligen Sachsen (Barbara Sieblist)

 

Neue Erkenntnisse über die Geschichte des Zisterzienser-Nonnenklosters Sankt Georgii zu Kelbra vom Ende des 15. Jahrhunderts bis zu seiner Aufhebung (Jürgen Pichl)

 

Die Burg Oberröblingen und ihre Besitzer  (Hartmut Müller)

 

Die Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt Und Thüringen ehemals Schwarzburg-Rudolstadt und Preußen vom Hüfler bei Kelbra bis zum Eulengeschrei bei Tilleda (Michael Richter)

 

Neue Erkenntnisse zur Sangerhäuser Industriegeschichte – Ergänzende Details zum zweiten Sangerhäuser Eisenhammer und die Suche nach dem Standort des ersten Eisenhüttenbetriebes bei Sangerhausen (Gerhard Heinrich)

 

Rundwanderung in der Allstedter Flur (Werner Reich)

 

Vereinsaktivitäten (Vereinschronik) (Sophie Rohland)   

ISBN 978-3-95966-296-3

Verlag Rockstuhl

Preis 9,95 Euro

Jahreshauptversammlung zum Planen genutzt

Roßla. Am 13. Januar 2018 trafen sich 23 Vereinsmitglieder und 12 Gäste zur Jahreshauptversammlung im Saal der Verwaltung des Biosphärenreservates Karstlandschaft Südharz in Roßla.
In diesem Jahr wächst der Verein um zwei neue Mitglieder: Damit hat der HuG „Goldene Aue" wieder 35 Mitglieder.
Anhand zahlreicher Bilder konnten die Mitglieder das Jahr Revue passieren lassen. Höhepunkt des Vereinsjahrs war die Aufstellung des neuen Erinnerungssteines für den am 19. Oktober 1884 ermordeten Förster Carl-Friedrich Rose. Die Vereinsmitglieder Manfred Schröter und Manfred Wirth hatten sich dieser Aufgabe gewidmet. Gern erinnerten sich die Vereinsmitglieder an die Vereinsfahrten in das Zisterzienser Kloster Walkenried und in das Schloss Neuaugustusburg nach Weißenfels zur Ausstellung „Dynastiegewitter", die von Sophie Rohland organisiert wurden.
Dr. Elke Stolze, Reformationsbeauftragte des Landkreises Mansfeld-Südharz, bedankte sich bei den Vereinsmitgliedern für die Mitgestaltung des Jubiläumsjahres.Dr. Elke Stolze, Reformationsbeauftragte des Landkreises Mansfeld-Südharz, bedankte sich bei den Vereinsmitgliedern für die Mitgestaltung des Jubiläumsjahres.Dr. Elke Stolze, die Reformationsbeauftragte des Landkreises Mansfeld-Südharz, bedankte sich bei den Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins „Goldene Aue" für die aktive Unterstützung bei Veranstaltungen im Reformationsjubiläumsjahr.
Auch Christiane Funkel, Leiterin des Biosphärenreservates Karstlandschaft Südharz, resümierte eine positive Zusammenarbeit. Im vergangenen Jahr waren dies besonders neun Wanderungen unter dem Motto „Geschichte erleben im Biosphärenreservat", bei denen über 400 Personen teilnahmen. Nicht zu vergessen sei auch die Pflanzung der Luther-Linde an der Sankt-Trinitatis-Kirche in Roßla, die im Vorfeld der 11. Herbsttagung des Biosphärenreservates stattfand. Gemeinsam erarbeitete man auch den Antrag für die Anerkennung des Questenfestes als Immaterielles Kulturerbe durch die UNESCO Deutschland.
In der Diskussion positionierten sich die Vereinsmitglieder eindeutig für eine weitere Unterstützung des Spengler-Museums in Sangerhausen.

23 Mitglieder und 12 Gäste nahmen in diesem Jahr an der Jahreshauptversammlung im Saal des Biosphärenreservates Karstlandschaft Südharz teil.    23 Mitglieder und 12 Gäste nahmen in diesem Jahr an der Jahreshauptversammlung im Saal des Biosphärenreservates Karstlandschaft Südharz teil.

Übergabe des Rose-Gedenksteines am 19. Oktober 2017

Unweit des Gietenkopfes, im sogenannten Königsholz, stand ein Gedenkstein. Dieser erinnerte an die Mordtat des „übelbeleumdeten Lumpensammlers und Wilddiebes Friedrich Ulrich aus Tilleda an dem 59-jährigen Waldhüter Carl Rose, ebenfalls aus Tilleda.
Dies geschah vor 133 Jahren am 19. Oktober 1884, einem Sonntag.
Die Beisetzung des Ermordeten erfolgte am 22. Oktober auf dem Friedhof in Tilleda. Er wurde unter großer Anteilnahme der Einwohner bestattet.
Über die Tat ist folgendes Bekannt: Rose begab sich nachmittags 3 Uhr in den Forst, kehrte aber nicht zu der bestimmten Stunde zurück. Seine Frau, welche nichts Gutes ahnend angstvoll Stunde auf Stunde vergeblich wartete, ließ darauf nach ihm suchen, doch war nirgends eine Spur von ihm zu finden. Erst nachdem vom Gemeindevorsteher eine große Schar von Suchern aufgeboten wurde, fand man ihn leblos im dichten Walde.
Ein in der Nähe liegender Rehbock ließ darauf schließen, dass die Wilderer beim Forstfrevel ertappt und, um der Strafe zu entgehen, den Forsthüter erschossen haben. Man hatte den Leichnam mit Laub und Zweigen bedeckt. Die Untersuchung ergab, dass der Schuss in die Brust sofort tödlich gewesen ist, die Ladung bestand aus gehacktem Blei.
Das Gewehr des Waldhüters Rose war verschwunden, wohl aber hat man an dem Tatorte einen modern gearbeiteten Stock aufgefunden, welcher zur Entdeckung des oben erwähnten bereits mehrfach vorbestraften Wilddiebes Ulrich führte.
Ulrich machte, ehe die Untersuchung abgeschlossen war, seinem Leben durch Erhängen im Gefängnis von Frankenhausen selbst ein Ende.

Der alte RosesteinDer alte RosesteinSeit 1886 stand im Waldteil „Rosestein" auf Befehl des Fürsten Georg Albert von Schwarzburg-Rudolstadt ein Denkstein für den „pflichtgetreuen und geistlich gesinnten Beamten". Diese Aufstellung erfolgte in Anlehnung an mittelalterliche Rechtsgewohnheiten, wo man für einen Ermordeten bzw. Verunglückten am Ort des Geschehens ein Steinkreuz setzen ließ.
Leider ist jener Rose-Gedenkstein seit Herbst 1984 verschollen.

Im März dieses Jahres entdeckte der Vorsitzende des Arterner Geschichtsvereins „Aratora" Andreas Schmölling einen abgelegten Stein auf dem Gelände des Bauhofes in Artern. Manfred Wirth aus Tilleda nahm ihn in Augenschein und fand ihn als neuen Rose-Gedenkstein geeignet.
Die Bürgermeisterin der Stadt Artern Christine Zimmer schenkte diesen abgelegten Stein dem Heimat- und Geschichtsverein „Goldene Aue". Der Bohr- und Geotechnik-Betrieb Alexander Nowak aus Tilleda holte ihn zur Bearbeitung nach Tilleda. Der ortsansässige Paul Meyer, links im Bild, meißelte die neue Inschrift ein. Seine Vorlage waren Fotografien des Originalsteines.

Am 7. Oktober haben Paul Meyer, Uwe Meier, Manfred Wirth, Michael Richter und Manfred Schröter diesen Stein aufgestellt.
Am 19. Oktober wurde das neue Denkmal an alter Stelle mit einer kleinen Zeremonie und musikalischer Umrahmung der Perforcehornbläser Stolberg unter Leitung von Frank Rudhardt im Beisein von über 50 Besuchern der Öffentlichkeit übergeben.

Der neue RosesteinDer neue Rosestein

Manfred Schröter sagte unter anderem: „Ein großes Dankeschön für die schnelle und unbürokratische Unterstützung unseres Vorhabens gebührt dem Forstamtsleiter Uli Klüßendorf vom Thüringer Forstamt Sondershausen sowie dem Revierleiter Jens Bracke des Reviers Bad Frankenhausen.
Wir übergeben den Rose-Gedenkstein, im Namen des Heimat- und Geschichtsvereins „Goldene Aue", in die Obhut des Thüringer Forstamts Sondershausen. Möge er den Waldteil „Rosestein" im Landesforst recht lange zieren und für die Erholungssuchenden ein beliebtes Wanderziel werden. Mögen sich zukünftige Generationen an die ruchlose Tat vor nunmehr 133 Jahren und an den Tag der Neuaufstellung im Reformationsjubiläumsjahr erinnern."

Zur Einweihung 2017Zur Einweihung 2017


Der Revierleiter Jens Bracke erinnerte an die waldwirtschaftliche Arbeit unserer Vorfahren und erläuterte die Hintergründe der vielen Wilddiebsgeschichten, welche durch die Not, besonderes in Krisen- und Kriegszeiten befördert wurden.
Der Leiter des Naturparks Kyffhäuser Dr. Jürgen Pusch sagte seine Unterstützung zur Aufstellung einer Informationstafel zu, da der Gedenkstein inmitten des Naturparks Kyffhäuser und unweit des Jugendwaldheimes Rathsfeld steht. Wir wünschen uns alle, dass das Umfeld zugänglich und gepflegt bleibt.
Die Vertreterin des Biosphärenreservates „Karstlandschaft Südharz" Karin Rost betonte die enge Zusammenarbeit mit dem Heimat- und Geschichtsverein und Pfarrer i.R. Donald Hilbert sprach das „Vaterunser" im Gedenken.
Die Perforcehornbläser Stolberg unter der Leitung von Frank Rudhardt beendeten die Feier mit einem „Großen Halali".

Text: Manfred Schröter