Nachrichten aus dem Verein und vereinsübergreifende Nachrichten

archivgut-online

Seit Ende September kann man auch verschiedene Urkunden des

Landeshauptarchivs Sachsen-Anhalt online anschauen.

Sie sind unter www.deutsche-digitale-bibliothek.de unter dem

entsprechenden Stichwort (Ort o.a.) zu finden.

Bei "Copiale miscellaneum halberstadense" Cop.Nr.801

ab Seite 58 (im Internetdokument) finden sich z.B. Auszüge aus

Lehnsurkunden der Grafen von Stolberg

Kloster Kelbra

Seit dem 10.2.2014 ist im Archiv unter "Regionalgeschichtliche Dokumente und Literatur" eine Zusammenstellung unter dem Titel

"Aus der Geschichte des Zieterziensernonnenklosters St.Georgii zu Kelbra" für die Vereinsmitglieder abrufbar.

Jürgen Pichl

Heimatforscher bekommen Verstärkung

Arbeitsergebnisse und Pläne vorgestellt

Das Jahr 2013 war für die Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins „Goldene Aue" ein arbeitsreiches und ereignisreiches Jahr. Das konnten die rund 50 Teilnehmer der Jahreshauptversammlung in der Sangerhäuser Gaststätte „Zum Herrenkrug" nachvollziehen, als der Vereinsvorsitzende Manfred Schröter das Jahr Revue passieren ließ und mehrere Vereinsmitglieder ihre Forschungs- und Arbeitsergebnisse vorstellten.

Über 50 Teilnehmer erlebten eine abwechslungsreiche Veranstaltung. Über 50 Teilnehmer erlebten eine abwechslungsreiche Veranstaltung.

Vereinsvorsitzender Manfred Schröter (Mitte) freute sich über den spontanen Vereinsbeitritt von Dagmar Liebold aus Erfurt.Vereinsvorsitzender Manfred Schröter (Mitte) freute sich über den spontanen Vereinsbeitritt von Dagmar Liebold aus Erfurt.Aber zunächst gab es ein Dankeschön für Dagmar und Ulrich Liebold sowie Siegfried Lehne aus Erfurt für ihre umfangreiche Hilfe bei der Beschaffung und Digitalisierung von heimatkundlichen Quellenmaterial, speziell der Zeitschriften „Heimatglocken" und „Heimats-Klänge". Für Vereinsmitglieder sind diese auf der Internetseite des Vereins abrufbar. „Allerdings suchen wir noch einige Ausgaben", sagte Sandro Meyer, während der Vorstellung der Internetseite. Diese startete im Februar 2013 und wird nach seiner Aussage sowohl zur Information als auch zur Kontaktaufnahme rege genutzt. Ursache dafür sind neben der Darstellung der aktuellen Vereinsarbeit und Vereinsprojekten auch die Literatur und Hilfsmittel für Genealogen.

Davon war Ullrich Wilding aus Wiesbaden ganz angetan. Er gehört zu den vier neuen Mitgliedern des Vereins. Der 48-jährige war auf der Suche nach Kontakten in der Region, aus der ein Teil seiner Vorfahren stammt. „Wir werden den Verein jetzt genelogisch unterwandern", sagt er schmunzelnd und freute sich, dass sich die weite Anreise gelohnt hat. „Ich bin sofort mit den Vereinsmitgliedern ins Gespräch gekommen", sagte er. „Sie wissen viel, was ich noch nicht weiß."

Ullrich Wilding (li.) aus Wiesbaden wurde am Samstag Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein „Goldene Aue“. Er fand sofort Kontakt zu den Mitgliedern Sandro Meyer aus Gudensberg bei Kassel und Jürgen Pichl aus Erfurt. Ullrich Wilding (li.) aus Wiesbaden wurde am Samstag Mitglied im Heimat- und Geschichtsverein „Goldene Aue“. Er fand sofort Kontakt zu den Mitgliedern Sandro Meyer aus Gudensberg bei Kassel und Jürgen Pichl aus Erfurt.

Aber auch die Vereinsmitglieder freuten sich über den Zuwachs. „Damit steigt die Mitgliederzahl auf 29", sagt der Vorsitzende Manfred Schröter. „Und man höre und staune, das Durchschnittsalter liegt bei 59 Jahren." Alle Vereinsmitglieder bringen sich nach ihren Möglichkeiten in die Vereinsarbeit ein. Andreas Schmölling aus Artern informierte über das Buchprojekt „Die Unstrut – Geschichten vom Fluss...". Für das Werk, an dem er als Co-Autor mitarbeitet, sucht er noch Fotos, vor allem von der Flussschiffahrt auf der Unstrut. „Vielleicht kann uns ja jemand helfen?" fragte er.

Tommy Pfennig aus Erfurt hat wieder einen Puzzle-Stein zur Eisenbahngeschichte der Region gefunden: Er berichtete über Lydia Ivanovna Jerastova, geb. Baluta (geb.1927), die von 1943 bis 1945 als Zwangsarbeiterin nach Oberröblingen und Artern kam. Für eine ZDF-Sendung betreute er die Frau, die im September 2013 eine Woche lang ihre einstmals unfreiwilligen Lebensstationen noch einmal nachvollzog.

Christiane Funkel vom Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz erinnerte in ihrem Vortrag an die langjährige, fruchtbare Zusammenarbeit des Vereins mit der Verwaltung, deren Höhepunkt im vergangenen Jahr zum Beispiel die Ehrung des Botanikers Heinrich Carl Haussknecht war.

Die Bodendenkmalpfleger des Vereins werden sich in diesem Jahr hauptsächlich der Dokumentation der Kleindenkmale, nach den Vorgaben des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie widmen.

Schon am 26. Januar wird zur Wanderung „Auf Schmugglerpfaden" nach Berga eingeladen. Der Tag des offenen Denkmals soll dieses Jahr in Rosperwenda durchgeführt werden.

 

Hubertus-Messe erinnert an Herzog Christian

Jagdkantate und Jagdhörner erklingen in der Sankt-Mauritius-Kirche

PÖLSFELD. Die Spurensuche nach Lebensstationen Herzog Christians von Sachsen-Weißenfels (1682-1736) in der Residenzstadt Sangerhausen führen auch nach Pölsfeld. Auf Initiative des Heimat- und Geschichtsvereins „Goldene Aue" und des Biosphärenreservates Karstlandschaft Südharz wird zukünftig eine Informationstafel am ehemaligen Forsthaus, an den Herzog erinnern. „Vielleicht ist es ein Anfang, das Gebäude zu erhalten", sagte Holger Piegert, Leiter der Verwaltung des Biosphärenreservates Karstlandschaft Südharz. Von 1614 bis 1846 bestand in Pölsfeld im Grundstück Oberdorf 112 ein Forstamt des Amtes Sangerhausen. Das Gebäude wurde auch als „Forsthaus" oder „Wildhof" bezeichnet.
Auch in der Pölsfelder Sankt Mauritius-Kirche hat der Herzog seine Spuren hinterlassen. So ist überliefert, dass er 1716 in Pölsfeld eine Betstunde anordnete. Er schenkte dafür der Kirche sechs Taler und ließ „zum besonderen Vergnügen" vom Maler Gottfried Amandus Weber aus Eisleben für 26 Taler die Tonne neu ausmalen. Im gleichen Jahr schenkte er der Gemeinde eine Altarbibel. Im Januar 1717 kam ein Rosenkranz dazu und wiederum Geld in die Kasse. Am 19. April 1718 standen Herzog Christian und Herzogin Louisa Christina bei der Taufe von Louise Liebenroth mit weiteren 14 hochgestellten Personen Pate. Der Vater des Kindes, Johann Ernst von Liebenroth, war Forstmeister, Wildmeister und Kammerjunker des Herzogs in Pölsfeld.
Kein geringerer als Johann Sebastian Bach vereinigte die Jagd- und Musikleidenschaft des Herzogs, nämlich in der Jagdkantate. Diese wurde 1713, anlässlich des 31. Geburtstages von Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels, uraufgeführt. Einen Auszug aus diesem Werk ließ Kirchenmusikdirektorin Martina Pohl während der Hubertus-Messe erklingen.

Pfarrer Rainer Pohlmann hielt erstmals eine Hubertus-Messe in der Sankt Mauritius-Kirche in Pölsfeld. Pfarrer Rainer Pohlmann hielt erstmals eine Hubertus-Messe in der Sankt Mauritius-Kirche in Pölsfeld. Pfarrer Rainer Pohlmann konnte dazu am Freitagabend zahlreiche Gottesdienstteilnehmer in der festlich geschmückten Sankt-Mauritius–Kirche begrüßen. Neben dem Altar stand eine Hirschtrophäe mit einem Kreuz zwischen dem Geweih, so wie er der Legende nach dem Heiligen Hubertus erschienen sein soll. Pfarrer Rainer Pohlmann hob dabei hervor, wie der legendäre Hubertus mit dieser Erscheinung zu einem gottesfürchtigen Leben bekehrt wurde und Achtung vor diesen Geschöpfen bekam, die er sonst aus reinem Spaß an der Freude jagte. Sein Wunsch an die heutigen Jäger ist, dem Vorbild des Hubertus zu folgen und „die Tiere nicht wegen der Trophäen zu töten".

 

Außer der Hildebrandt-Orgel beeindruckte vor allem der Klang der Jagdhörner vor der Kirche und von der obersten Empore. Die Stolberger Jagdhornbläser unter der Leitung von Ingo Einicke ließen unter anderem das „Gebet der Jäger", den „Hubertusmarsch" und das Bläsersolo: Vaterunser (Ingo Einicke) erklingen. Auch die bekannten Jagdsignale „Hirsch tot" und „Das große Halali" beendeten diesen für die Jäger ereignisreichen Tag.

Die Stolberger Jagdhornbläser umrahmten die Hubertus-Messe in der Sankt Mauritius-Kirche in Pölsfeld. Die Stolberger Jagdhornbläser umrahmten die Hubertus-Messe in der Sankt Mauritius-Kirche in Pölsfeld.

 

Neue Puzzlesteine der Sangerhäuser Geschichte ergänzt

Forscher geben Einblicke in die barocke Residenzzeit

SANGERHAUSEN. Vor über einem Jahr entstand die Idee, anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Einweihung der Trinitatiskapelle in Sangerhausen ein so genanntes Trinitatislager zu veranstalten. Die Kirchengemeinden, Bürger, Vereine und Institutionen engagierten sich in mehreren Veranstaltungen um die Erforschung und nachvollziehbare Darstellung der barocken Residenzzeit Herzog Christians in Sangerhausen. Zum Veranstaltungsreigen gehörte das Trinitatislager mit der Aufführung der Jagdkantate, die Ausstellung zum Thema „Spuren der Barocken Residenzzeit - 300 Jahre Schlosskapelle Sangerhausen", eine Jagd und Hubertus-Messe in Pölsfeld bis hin zur wissenschaftlichen Tagung. Für die Teilnehmer brachte es viel Erkenntnisgewinn und neue Aufgaben. Denn: je mehr man sich mit der barocken Residenzzeit beschäftigt, umso mehr Fragen und Aufgaben ergeben sich. Zum vorläufigen Abschluss des Veranstaltungsjahres „300 Jahre Schlosskapelle Sangerhausen" hatten der Sangerhäuser Geschichtsverein und der Landesheimatbund Sachsen-Anhalt zu einer wissenschaftlichen Tagung eingeladen, die mit vielen neuen Erkenntnissen aufwarten konnte. So überraschte Reinhard Schmitt vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie mit der Tatsache, dass es doch noch Reste der Schlosskapelle zu sehen gibt. Für ihn bewahrheitete sich wieder einmal: Es ist besser sich vor Ort ein Bild zu machen, als nur nachzulesen. „Denn nach der Chronik von Friedrich Schmidt nimmt man an, es sei alles weg", sagt Schmitt. Allerdings konnte er anhand überlieferter Baupläne und der Besichtigung vor Ort feststellen, dass Baufugen und veränderte Fensterformen an das Gebäude erinnern. Wonach die brauchbaren Teile des Mauerwerks einfach in die jetzige Bebauung einbezogen wurden. Zu seinem Bedauern liefen die bisherigen Bauarbeiten am Amtsgericht ohne dokumentierende Bauforschung.

Der Bauforscher Reinhardt Schmitt zeigt auf einen Eingang der Trinitatiskapelle. Offensichtlich wurden Gebäudeteile der Kapelle in einen jüngeren Bau einbezogen. (Foto:hno)Der Bauforscher Reinhardt Schmitt zeigt auf einen Eingang der Trinitatiskapelle. Offensichtlich wurden Gebäudeteile der Kapelle in einen jüngeren Bau einbezogen. (Foto:hno)


Der Historiker Joachim Säckl gab den Sangerhäusern zum wiederholten Mal ein wenig den Stolz auf ihre Geschichte zurück. Schließlich fundamentierte Herzog Christian mit dem Kapellenbau seine politische Einstellung zum Evangelischen Glauben in einer Zeit, in der die Hauptlinie der Albertiner, August der Starke, zum Katholizismus konvertierte. Durch den Vortrag von Mario Titze vom Landesamt für Denkmalpflege, kann man den Bogen in die gräfliche Residenzstadt Stolberg/Harz spannen. Schließlich stammt das Gesamtkonzept für die Schlosskapelle, wie das barocke Stolberger Schloss vom Architekten Johann Conrad Buchau. Der dazu nötige Kontakt kam möglicherweise durch Herzog Christians Ehefrau, einer verwitweten Gräfin von Mansfeld geb. von Stolberg-Stolberg, zu Stande.
Anlässlich der Einweihung der Trinitatiskapelle wurde eine Medaille geprägt. (Foto:sro)Anlässlich der Einweihung der Trinitatiskapelle wurde eine Medaille geprägt. (Foto:sro)Mit Weißensee und Kindelbrück(Thüringen) verbindet die Stadt die gemeinsame Finanzierung der Huldigungsmedaille von 1712, wie die Referentin Dagmar Sommer zeigte. Außerdem erläuterte sie die Motive mehrerer Medaillen, wovon die zur Einweihung der Schlosskapelle in der Sonderausstellung im Spengler-Museum zu sehen ist. Mit den „glänzenden Hinterlassenschaften" der Herzogzeit beschäftigte sich auch Ulf Dräger von der Stiftung Kunstmuseum Moritzburg. Hauptaugenmerk legte er dabei auf die „Hosse-Bibel", die der Herzog der Trinitatis-Kapelle stiftete. Der Goldschmiedemeister August Hosse (1657-1732) gehörte zu den bedeutendsten Goldschmieden seiner Zeit, zu dessen Auftraggebern auch der russische Zar zählte. Schmunzelnd sagte er: „Sie haben ein erstrangiges Kleinkunstwerk, worüber andere neidisch sind."
Das Altersbildnis des Herzogs mit seinem außergewöhnlichen Rahmen gibt noch viele Rätsel. Es ist außerdem sehr restaurierungsbedürftig. (Foto:hno)Das Altersbildnis des Herzogs mit seinem außergewöhnlichen Rahmen gibt noch viele Rätsel. Es ist außerdem sehr restaurierungsbedürftig. (Foto:hno)Wenn schon die silberbeschlagene Bibel etwas restaurierungsbedürftig ist, ist das noch gar nichts im Vergleich zum Altersbildnis Herzog Christians in der Ulrichkirche. Die außergewöhnliche Rahmung des repräsentativen Herrscherporträts gibt der Referentin Claudia Kunde noch einige Rätsel auf und noch mehr Anlass zur Sorge. Denn es befindet sich in einem sehr schlechten Erhaltungszustand, wie die Veranstaltungsteilnehmer bei der abschließenden Exkursion sehen konnten. Somit bewahrheiteten sich die Worte von Cornelia Wewetzer vom Landesheimatbund, die sagte: „Die Zeugnisse sind Lust und Last." Außerdem lobte sie die Spurensucher, die eine vergessene Zeit zurückgeholt haben. „Es war eine Zeit von Glanz, Prunk und Genuss aber auch der Bildung und Wissenschaft."

 

 

Info:
Die Sonderausstellung „Prinz.Regent.Protestant. Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels in Sangerhausen" ist bis 30.März 2014 zu sehen.