Der Heimat- und Geschichtsverein veranstaltet Wanderungen und Exkursionen

 oder nimmt mit seinen Mitgliedern an Veranstaltungen anderer Anbieter teil.


 

Wundertätiges Wasser vom "Heiligen Born" geschöpft

KELBRA / Eine Zeitreise bis in das Erdmittelalter unternahmen am Sonntag fast 70 Wanderlustige im Kyffhäuserwald. Der Förderverein für Heimatgeschichte der Stadt Kelbra und der Heimat- und Geschichtsverein "Goldene Aue" hatten zu einem Besuch des "Heiligen Borns" eingeladen. Bekannt und sogar legendär wurde diese Heilquelle, weil die Spenden der Pilger für das Wasser einst einen Grundstock zur Finanzierung des Sankt-Elisabeth-Hospitals in Kelbra gelegt haben sollen. Die Wanderer hatten an diesem Herbsttag sogar Glück, dass die geschichtsträchtige Quelle etwas sprudelte.

Mit Trichter, Sieb und Schöpfkelle füllten Heike Gesang vom Kelbraer Förderverein und ihre Enkel Tim (8) und Robin (10) Freybote das Wasser des Heiligen Borns in 20 Fläschchen, die zu diesem Zweck von der Barbarossa-Apotheke Kelbra zur Verfügung gestellt wurden. Gern nahmen die Teilnehmer das Souvenir mit, das laut Etikett "nur zur äußerlichen Anwendung" genutzt werden soll. © Steffi RohlandMit Trichter, Sieb und Schöpfkelle füllten Heike Gesang vom Kelbraer Förderverein und ihre Enkel Tim (8) und Robin (10) Freybote das Wasser des Heiligen Borns in 20 Fläschchen, die zu diesem Zweck von der Barbarossa-Apotheke Kelbra zur Verfügung gestellt wurden. Gern nahmen die Teilnehmer das Souvenir mit, das laut Etikett "nur zur äußerlichen Anwendung" genutzt werden soll. © Steffi Rohland

 

Heinz Noack zitierte über die Wirkung des Wassers © Steffi RohlandHeinz Noack zitierte über die Wirkung des Wassers © Steffi Rohland

 

Währenddessen zitierte Heinz Noack vom Geschichtsverein aus einem Attest aus dem Jahre 1646 über die Wirkung des Wassers. Darin heißt es: "Ein jedermann könnte solchen Brunnen ohne Schaden gebrauchen." Er wäre für alle "Leibesbeschwürnisse" sehr gut. Darüber hinaus hieß es, dass bereits "über die 60 Personen so allerhand Gebrechlichkeit gehabt, allseits kurieret und davon wieder gesund geworden".

Heinz Noack erläutert die Bauphasen der Unterburg © Manfred SchröterHeinz Noack erläutert die Bauphasen der Unterburg © Manfred Schröter

Auch ein Grenzstein, den der ortsansässige Bodendenkmalpfleger Dieter Bauer vor einigen Jahren mit der Quelle freigelegt hatte, ließ die Hobby-Historiker in die politische Geschichte der Region zurückblicken. Schließlich verdankt man die Nennung des "Kelbraischen Heilbrunnens" einem Lehnbrief der Schwarzburger Grafen aus dem Jahre 1434.

Quelle vor der Freilegung © Dieter BauerQuelle vor der Freilegung © Dieter Bauer

Quelle mit Grenzstein nach der Freilegung © Dieter BauerQuelle mit Grenzstein nach der Freilegung © Dieter Bauer

Die noch vorhandenen Grenzsteine sind allerdings jüngeren Datums. Sie erinnern an die Amtsgrenze Schwarzburg / Sondershausen zum Gemeinschaftsamt Schwarzburg / Stolberg und sind 1735 bzw. 1741 aufgestellt worden. Die Wanderung auf dem Geopfad, einem Teil des zertifizierten Kyffhäuserwanderweges, führte die Wanderer auch noch einige Millionen Jahre zurück. Der Steinbruch im Borntal am Heiligen Born legt Gneis und Gabbro frei. "Das magmatische Gestein ist ein Zeitzeuge der ersten Auffaltung Europas", berichtet Manfred Schröter vom Verein "Goldene Aue". Er erläutert außerdem die Entstehung des verkieselten Holzes, welches man im Kyffhäuserwald finden kann und hatte passend zur "Heilwanderung" Blätter des Ginkgobaumes im Gepäck. Auch bei diesen lebenden Relikten des Erdmittelalters griffen viele Wanderer gern zu.

Manfred Schröter (Bildmitte) erläutert die Geschichte des Johanna Westphal-Denkmals © Steffi RohlandManfred Schröter (Bildmitte) erläutert die Geschichte des Johanna Westphal-Denkmals © Steffi Rohland

Denkmal für Johanna Westphal © Manfred SchröterDenkmal für Johanna Westphal © Manfred Schröter

Gesundheitsfördernde Bewegung gab es an diesem sonnigen Herbsttag mehr als genug: Die Wanderer entdeckten am Wegesrand das Denkmal für Johanna Westphal, der Ehefrau des Initiators des Denkmalbaues auf dem Kyffhäuser. Dann lenkten viele ihre Schritte auch noch zum Kyffhäuserdenkmal beziehungsweise zur Ruine der Unterburg.

Blick zum Kyffhäuserdenkmal © Manfred SchröterBlick zum Kyffhäuserdenkmal © Manfred Schröter

Für Pauline Salva (7) waren die Informationstafeln und Aktionsstände zum Thema Tiere und Pflanzen am Wegesrand interessant. Ihre Mutter, Liane Salva nahm auch gern die Informationen der Wanderführer auf, zu denen auch Gerhard Werther gehörte. Sie sagte: "Da lernt man selbst viel dazu und kann es an die Hortkinder der ,Kyffhäuserzwerge' weitergeben."
Am Ende waren sich die Organisatoren beider Vereine einig, dass man zukünftig weitere Veranstaltungen gemeinsam organisieren will. Die nächste Frühjahrswanderung geht dann in den Südharz.

Auf den Spuren des Preußischen Königreiches

KELBRA / Über 30 Wanderer folgten am Samstag der Einladung des Fördervereins für Heimatgeschichte der Stadt Kelbra und des Heimat- und Geschichtsverein „Goldene Aue" zu einer Grenzsteinwanderung am Rande des Königreiches Preußen.
Die Grenzsteintour führte das Hopfental und Kellental hinauf zur Hüflarbaude und zurück nach Kelbra. Rund sechs Stunden waren die Heimatfreunde auf dem etwa fünf Kilometer langen Rundwanderweg unterwegs. Dieser, mit einem gelben Strich gekennzeichnete Weg, wurde Mitte der 1980er Jahre angelegt. Er führt entlang einer uralten Grenze. Seit 50 Jahren kontrolliert Manfred Schröter vom Heimat- und Geschichtsverein „Goldene Aue" in regelmäßigen Abständen die historischen Grenzsteine auf Vollständigkeit. Den Abschnitt der einstigen Grenzlinie Schwarzburg-Sondershausen/Königreich Preußen zwischen Kelbra und Nordhausen, entlang der Hainleite und Windleite, kennzeichneten ursprünglich 273 kleine Obelisken aus rotem Sandstein. „Leider werden es immer weniger", bedauert Schröter. „Zerstörung durch Unachtsamkeit bei landwirtschaftlichen
Arbeiten und das Entfernen der Steine durch Unbekannte sorgen auch hier für Lücken." Westlich des alten Fahrweges nach Badra und dem anschließenden Grenzgraben stehen aber noch einige dieser Steine. Dabei ist der Stein mit der Nummer 22 ein Unikat. Manfred Schröter vermutet, dass die Steine bereits in einer Werkstatt vorgefertigt wurden. „Dabei kam es beim Stein Nummer 22 zu einem Fehler", sagt er. „Die Weisung auf dem Kopf, welche den Verlauf der Grenze anzeigt, war falsch. Sie wurde vor Ort nachträglich korrigiert. Die falsche Linie hat man durch Punkte unkenntlich gemacht."

 

Manfred Schröter (2.v.re.) berichtet aus der wechselvollen Geschichte der Grenzlinie Schwarzburg-Sondershausen und dem Königreich Preußen am Kyffhäuser

Manfred Schröter (2.v.re.) berichtet aus der wechselvollen Geschichte der Grenzlinie Schwarzburg-Sondershausen und dem Königreich Preußen am Kyffhäuser © Steffi Rohland

Auch der Oberförster a.D. Günther Ludwig erläuterte den Wanderern den Grenz- und Wegeverlauf in diesem Gebiet. Im so genannten Wienhölzchen steht der nächste Stein, mit der Nummer 23. Das sehr gut erhaltene Exemplar trägt auf einer Seite die Initialen S.S. für das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen, auf der Gegenseite K.P. für das Königreich Preußen und die jeweilige Nummer.
Sorgfältig behauen stehen diese Steine seit rund 180 Jahren an ihrem Platz. „In welchem Jahr die Aufstellung erfolgte, ist nicht bekannt", erklärte Schröter. „Die Kelbraer Chronik berichtet nichts darüber. Auch in den Archiven sind wir bisher nicht fündig geworden. Die Suche danach ist sehr zeitaufwändig." Jeder gefundene Stein wurde aufmerksam betrachtet und je nach Attraktivität oft fotografiert. Am Stein Nummer 13 erhielten die zwei jüngsten Exkursionsteilnehmer je einen Bonbon. „Bei früheren Grenzumgängen war es üblich, dass man den Kindern entweder ein Geldstück oder ein paar Ohrfeigen gab", sagte Manfred Schröter. „Dadurch sollten sie sich den Standort besser merken."

Grenzstein Nummer 23 Grenzstein Nummer 23 Grenzstein Nummer 23 Grenzstein Nummer 23
 Der Grenzstein Nummer 23 ist sehr gut erhalten © Steffi Rohland

Der Grenzverlauf hat eine sehr wechselvolle Bedeutung: Die älteste Nennung geht auf das Jahr 1417 zurück. Damals verpfändeten die Thüringer Landgrafen das Amt Kelbra an die Stolberger Grafen. 1428 belehnten die Herzöge von Sachsen die Schwarzburger und die Stolberger Grafen gemeinsam mit diesem Amt. 1815 erfolgte die Abtretung des Amtes Kelbra von Sachsen an Preußen. Nach der Auflösung Preußens, 1947, trennte die Grenze die Länder Thüringen und Sachsen-Anhalt, bis zur Bildung der Bezirke und Aufhebung der Länder im Jahre 1952. Bis 1990 bildete sie die Grenze zwischen den Bezirken Erfurt und Halle, danach wurde sie wieder zur Ländergrenze zwischen Sachsen-Anhalt und dem Freistaat Thüringen.
Die ältesten Steine tragen auf der Schwarzburger Seite eine Gabel und auf der Seite des Gemeinschaftsamtes Schwarzburg-Stolberg eine Gabel und einen Kreis. Zu nicht bekannter Zeit ersetzte man schon fehlende Grenzsteine durch kleine Steine mit halbrunden Kopf und ohne Zeichen. Die Preußen machten es dann sehr gründlich. An jeder Stelle wo ein Stein stand wurde zusätzlich ein neuer aufgestellt, so das heute auch mehrfach versteinte Grenzpunkte gibt.

Doppelversteinung am Grenzstein Nummer 13 © Steffi Rohland

 

Wanderer auf Steinpatrouille

BREITENSTEIN / Fast 300 Jahre haben die Grenzsteine im Wald gestanden. Heute sind sie bedrohter denn je. Bedrohlich nahe steht das Rückefahrzeug bei den so genannten Dreiherrensteinen, der historischen Grenze von Chursachsen und Churhannover bei Breitenstein. Am Birkenkopf, dem Ausgangspunkt der alten Grenzlinie Chursachsen-Churhannover von 1735, sind die Waldbauarbeiten weit vorangeschritten, aber am Samstag, als die 20 Wanderer dort ihren Stempel für die Harzer Wandernadel abholen, ruhen die Arbeiten.

Gern hätte Manfred Schröter vom Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue, mit den Forstarbeitern über die Bedeutung der Steine gesprochen und um Vorsicht bei den Arbeiten gebeten. Denn manche Steine in der Umgebung tragen bereits Blessuren. Zumindest hat man das Schild, das auf die Dreiherrensteine hinweist, an einem der Steine abgestellt. Ursprünglich war es an einem Baum befestigt, der nun im Polter auf seinen Abtransport wartet.
Die Gäste, die am Samstag der Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins "Goldene Aue" und des Biosphärenreservates "Karstlandschaft Südharz" gefolgt waren, erwarteten aber nicht nur geschichtliche Ausführungen zu verschiedenen Grenzlinien, sondern viele naturkundliche Erläuterungen. Oftmals machte Uwe Kramer vom Biosphärenreservat und Hobbyornithologe die Wanderer auf die Vogelstimmen aufmerksam. So lockte irgendwo im Geäst der Bäume das Sommergoldhähnchen seine Braut.
Dank der frühlingshaften Temperaturen waren auch der Buchfink und die Heckenbraunelle schon in Hochzeitsstimmung.

In einem Fichtenbestand erläuterte der ehemalige Revierförster Heinz Schultke die Markierungszeichen an den Fichtenstämmen.
Die Einritzungen wurden vorgenommen, um den Bestand vor dem Rotwild zu schützen. Ist der Baum soweit eingeritzt, dass das Harz austritt, geht der Hirsch nicht mehr dran, haben die Forstleute herausgefunden. "Damit man nicht alle Bäume anritzen musste, wurden nur die genommen, die einmal stehen bleiben sollten", sagte der ehemalige Förster.
An einem Wildwechsel lehrte er die Interessierten, die Spuren des Wildes zu lesen. Allein an einem Hufabdruck bestimmte er, dass es sich bei dem Tier um eine Hirschkuh handeln würde. Wenig später bestimmte er die so genannte Losung auf dem Waldweg. "Das war ein Hirsch", sagte er. Den staunenden Wanderern zeigte er Näpfchen und Zäpfchen am kugeligen Kot, die ihm die Bestimmung ermöglichen. "Beim weiblichen Tier sind die Kugeln etwas oval", sagt Heinz Schultke.

Besonders im jüngsten Wanderteilnehmer, Oliver Hoche (10) aus Herrmannsacker, fand er einen interessierten Zuhörer. Dieser entdeckte nicht nur viele Besonderheiten im Wald, sondern war auch oftmals der Erste, der einen der alten Grenzsteine fand.

Dass war ja auch Sinn der Sache. Schröter: "Schließlich wollen wir unser Wissen über den Verlauf der Grenze an die jüngere Generation weitergeben."