Der Heimat- und Geschichtsverein veranstaltet Wanderungen und Exkursionen

 oder nimmt mit seinen Mitgliedern an Veranstaltungen anderer Anbieter teil.


 

Auf den Spuren der Ottonen

Samstagmittag im Schloss Wallhausen der Wandergruppe entgegen. Wenig später überreichte die Botin Marga George vom Reiterhof Osterloh an den Wallhäuser Bürgermeister Klaus Hinsching einen „ottonisch" versiegelten großen Briefumschlag. Marga George überbrachte als Botin den versiegelten Umschlag. Bürgermeister Klaus Hinsching nahm ihn entgegen. © Steffi RohlandMarga George überbrachte als Botin den versiegelten Umschlag. Bürgermeister Klaus Hinsching nahm ihn entgegen. © Steffi RohlandKein geringerer als Kaiser Otto der Große hatte die Botin geschickt, damit sich die Wanderer nach der vierstündigen Premierenwanderung mit einer von ihm gesiegelten und unterzeichneten Postkarte belohnen konnten.
Die philatelistischen Erinnerungsstücke mit der Briefmarke von Kaiser Otto I. hatten die Mitglieder des Heimat- und Geschichts-vereins „Goldene Aue" anlässlich der Wanderung auf den Spuren der Ottonen auf dem zukünftigen „Kaiser Otto Höhenwanderweg" bei Wallhausen herausgegeben. Es war aber nur eine von mehreren Überraschungen, welche die rund fünfzig Wanderfreunde bei diesem Ausflug erlebten. Gleich zu Beginn begrüßten OttoManfred Schröter begrüßte das Herrscherpaar Otto und Edgith. Sie begleiteten die Wanderer ein Stück des Weges.  © Steffi RohlandManfred Schröter begrüßte das Herrscherpaar Otto und Edgith. Sie begleiteten die Wanderer ein Stück des Weges. © Steffi Rohland der Große und seine erste Gemahlin Edgith (Michael und Alexandra Dapper) die Wanderer im Pfalzenort Wallhausen/Helme. Während das Kaiserpaar zur Pfalz Tilleda weiterzog, wendeten sich die Wanderer unter Führung von Heinz Noack vom Heimat- und Geschichtsverein „Goldene Aue" dem Höhenwanderweg zu. Über den Burgweg ging die Tour zunächst zum Flurstück „Der Kaiser". Hier hatte der Pfarrer und Heimatgeschichtsforscher Max Trippenbach 1907 mit Helfern die Königspfalz von Wallhausen gesucht. Die Suche blieb ebenso erfolglos, wie die von Adolf Spengler Junior, welcher im Jahr 1951 hoffte, hier die Pfalz zu finden. Wie Heinz Noack weiter ausführte, blieb die Suche nach der Königspfalz bisher auch in der Ortslage von Wallhausen erfolglos (MZ berichtete). Kein geringerer als der Archäologe Paul Grimm, der Ausgräber der Königspfalz Tilleda, suchteWallhausens Bürgermeister Klaus Hinsching führt die Wanderer bei den 12 Aposteln. © Steffi RohlandWallhausens Bürgermeister Klaus Hinsching führt die Wanderer bei den 12 Aposteln. © Steffi Rohland hier die Pfalz Wallhausen. So ist sein Fazit aus dem Jahr 1960 noch immer gültig, als er sagte: „Solange nicht eine Höhenburg im Gelände nachgewiesen ist, sind die Erwähnungen auf die Burg in der Niederung zu beziehen. Bei den Ausblicken in das Leinetal und in die Goldene Aue erläuterte Martin Spilker vom Verein der Mansfelder Berg- und Hüttenleute Eisleben die geologische und bergbauliche Situation der Region. Nach dem Besuch der Otto-Ausstellung im Schloss Wallhausen ließen die Wanderer, wie Katrin Dlikan aus Artern, den Nachmittag bei Kaffee und Kuchen ausklingen. „Wir haben heute so viel Wissenswertes erfahren", sagte sie. „Es ist beeindruckend, dass die Wiege Deutschlands in unserer Region stand."

 

 Franzenenzian (Gentianopsis ciliata) © Steffi RohlandFranzenenzian (Gentianopsis ciliata) © Steffi Rohland

  

Martin Spilker erklärte die Geologie und Bergbausituation um Wallhausen. © Steffi RohlandMartin Spilker erklärte die Geologie und Bergbausituation um Wallhausen. © Steffi Rohland

 

Bürgermeister Klaus Hinsching berichtete aus der Geschichte des Schlosses Wallhausen. © Steffi RohlandBürgermeister Klaus Hinsching berichtete aus der Geschichte des Schlosses Wallhausen. © Steffi Rohland

Die Wanderer besuchten auch die Ottonen-Ausstellung im Schloss Wallhausen. © Steffi RohlandDie Wanderer besuchten auch die Ottonen-Ausstellung im Schloss Wallhausen. © Steffi Rohland

Die Wanderer betrachten die Schenkungsurkunden Ottos I. aus dem Kloster Einsiedeln in der Schweiz. © Steffi RohlandDie Wanderer betrachten die Schenkungsurkunden Ottos I. aus dem Kloster Einsiedeln in der Schweiz. © Steffi Rohland

Einstellung des Personenverkehrs von Berga-Kelbra nach Stolberg

BERGA / Der Heimat- und Geschichtsverein „Goldene Aue" hatte nicht nur seine Mitglieder mobilisiert sondern es kamen viele Eisenbahnfreunde und Einwohner aus nah und fern um nochmals das Thyratal aus der Eisenbahnperspektive zu betrachten.

Der 10. Dezember 2011 war der letzte Betriebstag für Personenzüge auf dieser Strecke. Schon vor Ankunft des ersten Zuges aus Stolberg drängten sich viele Besucher und Vertreter der Medien. Die „Mitteldeutsche Zeitung", der MDR-Rundfunk und der Nachrichtensender „Sachsen-Anhalt heute" des MDR-Fernsehen waren dabei und berichteten von diesem letzten Betriebstag.
Unter großer Anteilnahme wurden die von der Firma POP design Windrich angefertigten Plakate mit der Aufschrift: „Einstellung des Personenverkehrs Berga-Kelbra – Stolberg (Harz) 10. Dezember 2011" angebracht.

Die Reisenden hatten das große Glück nicht von Regenschauern an diesem Tag vertrieben zu werden. Ein Unterstellen wäre nicht mehr möglich gewesen, da man die historischen Vordächer wenige Tage zuvor beseitigt hatte. Der Fahrkartenautomat wurde Tage zuvor gestohlen.
In Stolberg wurden alle vom Ortsbürgermeister Ulrich Franke begrüßt. Er sagte unter anderem: „Es ist kein schöner Moment, der heute in den Geschichtsbüchern festgehalten wird. Gewollt ist er nicht. Die Werbung für die durchgehenden Züge von Magdeburg bzw. Leipzig und Halle nach Stolberg war am Geld gescheitert. Vielleicht können wir im Moment nichts bewegen. Jetzt geht es aber darum, den Rückbau der Anlagen zu verhindern und nach einer Lösung zu suchen." Ulrich Kasten, stellvertretender Vorsitzender des BUND Sachsen-Anhalt sagte unter anderem: „Es sei überlegenswert die NASA bzw. die DB zu bitten, dass die Strecke für Sonderfahrten auch weiterhin zur Verfügung steht."
Manfred Schröter, Gemeindevertreter von Berga und stellvertretender Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins „Goldene Aue" stellte einige Fakten zur Streckengeschichte mit folgenden Worten vor:

„Liebe Eisenbahnfreunde aus nah und fern,
vor 121 Jahren hat man die Postkutsche verabschiedet – Die Bahn stellte damals den Fortschritt dar, heute löst der Individualverkehr und der Bus die Bahn ab und wir sind die Zeitzeugen.
Am 1. Juni 1890 erfolgte die Inbetriebnahme der 9,5 km langen Strecke Berga-Kelbra bis Stolberg-Rottleberode mit Halt in Uftrungen.
Dabei wird zwischen Berga und Rottleberode bei gleichbleibender Steigung ein Höhenunterschied von 57 m überwunden.
Auf dem Reststück von 5,5 km bis Stolberg kommt es zu einem Anstieg um 72 m mit 2 Viadukten. Dieser Abschnitt wurde erst 33 Jahre später bzw. vor nunmehr 88 Jahren, am 1. März 1923 in Betrieb genommen.
Im April 1966, vor 45 Jahren wurde der neue Güterbahnhof Rottleberode-Süd seiner Bestimmung übergeben – er ist zu Zeit der größte Güterbahnhof des Mansfelder Landes und des Südharzes. Erst im Sommer des Jahres 2011 wurde eine 500 m lange Anschlussgleisverlängerung gebaut. Leider wurde diese, außer von den Baumaschinen, noch nicht genutzt.
Der Güterverkehr nach Rottleberode-Süd wird weiter von der DB betrieben und bleibt als Strecke erhalten.

Von 1981 bis 20. Juni 1983 verkehren nochmals Dampflokomotiven der Baureihe 52 im täglichen Betrieb, dies hatte einen Ansturm von Dampflokliebhabern zur Folge.
Zur 100 Jahrfeier verkehrte am 2. Juni 1990 nochmals eine Dampflok der Baureihe 38, dieser Loktyp war Jahrzehnte auf dieser Strecke dominant.
Am 26. November 1995 fuhr vorerst der letzte Personenzug ein grüner VT 772, die Beiwagen hatten eine eigene Baureihennummer 972.
Er verkehrte mit dem Trauerband:
VORERST LETZTE FAHRT 26.11.95 BERGA-KELBRA - STOLBERG
Am 26. Juni 1998 erlebte die Strecke nach einer umfassenden Rekonstruktion, welche mehrere Millionen Mark kostete, eine feierliche Wiedereröffnung.
An diesem Tag verkehrte letztmalig eine Dampflokomotive auf dieser Strecke.

Aber schon nach 13 Jahren kommt nun das Ende der Personenbeförderung.
Bis zum 8. Dezember 2007 verkehrten täglich Personenzüge, zuletzt die gelben Triebwagen VT 672 der Burgenlandbahn. Vor 4 Jahren wurde der wochentägliche Personenverkehr eingestellt. Es wurde ein Schild mit folgendem Text angebracht:
„Letzte Fahrt des täglichen Thyraliesel-Triebwagens 8. Dez. 2007
Berga-Kelbra – Stolberg (Harz)"
Obwohl an den Wochenenden die Deutsche Bahn Regionalexpresszüge von Leipzig/Halle bzw. von Magdeburg in reisendenfreundlichen Triebwagen bis zum heutigen Tag anbot wurde diese Möglichkeit von den Reisenden leider nicht angenommen. Am 4.12. verkehrte zum letzten Mal der sonntägliche Regionalexpress von Stolberg nach Halle bzw. Leipzig.

Ab dem 11. Dezember 2011 verkehren ab 8 Uhr im Zweistundentakt Reisebusse zwischen Berga und Stolberg. Die Zustiegsmöglichkeiten erweitern sich, im Vergleich zum Bahnbetrieb, von 4 auf 11 Haltestellen.
Die Wirtschaftlichkeit erhöht sich um ein vielfaches. Das Land bezahlt für eine Zugfahrt von Berga nach Stolberg etwa 225 Euro hinzu. Für eine Busfahrt nur 45 Euro! Also das 5fache weniger an Ausgaben.
Die Aufnahme der Buslinie in das ÖPNV-Landesnetz ist aber an bestimmte Qualitätskriterien wie Fahrradmitnahme und Geltung von Bahntickets geknüpft.

Heute nun der Abschied mit den letzten 5 Fahrten der Regionalbahnen zwischen Berga-Kelbra und Stolberg und zurück.
16.48 Uhr wird sich dieser Triebwagen VT 642 169 bzw. 669 von Stolberg und dem Thyratal verabschieden – ein letztes Mal gibt es eine sonnabendliche Regionalexpressverbindung von Stolberg über Rottleberode, Uftrungen und Berga-Kelbra in unsere Landeshauptstadt Magdeburg.
Die Reisemöglichkeit mit der Bahn endet mit dem heutigen Tag leider unwiderruflich und damit endet heute Abend die Kursbuchstrecke KBS 592."

Ein letztes Mal hatten alle die Möglichkeit das schöne Thyratal aus der Sicht eines Bahnreisenden zu betrachten und noch einige, heute schon historische Bilder, vom Bahnbetrieb anzufertigen.

Wundertätiges Wasser vom "Heiligen Born" geschöpft

KELBRA / Eine Zeitreise bis in das Erdmittelalter unternahmen am Sonntag fast 70 Wanderlustige im Kyffhäuserwald. Der Förderverein für Heimatgeschichte der Stadt Kelbra und der Heimat- und Geschichtsverein "Goldene Aue" hatten zu einem Besuch des "Heiligen Borns" eingeladen. Bekannt und sogar legendär wurde diese Heilquelle, weil die Spenden der Pilger für das Wasser einst einen Grundstock zur Finanzierung des Sankt-Elisabeth-Hospitals in Kelbra gelegt haben sollen. Die Wanderer hatten an diesem Herbsttag sogar Glück, dass die geschichtsträchtige Quelle etwas sprudelte.

Mit Trichter, Sieb und Schöpfkelle füllten Heike Gesang vom Kelbraer Förderverein und ihre Enkel Tim (8) und Robin (10) Freybote das Wasser des Heiligen Borns in 20 Fläschchen, die zu diesem Zweck von der Barbarossa-Apotheke Kelbra zur Verfügung gestellt wurden. Gern nahmen die Teilnehmer das Souvenir mit, das laut Etikett "nur zur äußerlichen Anwendung" genutzt werden soll. © Steffi RohlandMit Trichter, Sieb und Schöpfkelle füllten Heike Gesang vom Kelbraer Förderverein und ihre Enkel Tim (8) und Robin (10) Freybote das Wasser des Heiligen Borns in 20 Fläschchen, die zu diesem Zweck von der Barbarossa-Apotheke Kelbra zur Verfügung gestellt wurden. Gern nahmen die Teilnehmer das Souvenir mit, das laut Etikett "nur zur äußerlichen Anwendung" genutzt werden soll. © Steffi Rohland

 

Heinz Noack zitierte über die Wirkung des Wassers © Steffi RohlandHeinz Noack zitierte über die Wirkung des Wassers © Steffi Rohland

 

Währenddessen zitierte Heinz Noack vom Geschichtsverein aus einem Attest aus dem Jahre 1646 über die Wirkung des Wassers. Darin heißt es: "Ein jedermann könnte solchen Brunnen ohne Schaden gebrauchen." Er wäre für alle "Leibesbeschwürnisse" sehr gut. Darüber hinaus hieß es, dass bereits "über die 60 Personen so allerhand Gebrechlichkeit gehabt, allseits kurieret und davon wieder gesund geworden".

Heinz Noack erläutert die Bauphasen der Unterburg © Manfred SchröterHeinz Noack erläutert die Bauphasen der Unterburg © Manfred Schröter

Auch ein Grenzstein, den der ortsansässige Bodendenkmalpfleger Dieter Bauer vor einigen Jahren mit der Quelle freigelegt hatte, ließ die Hobby-Historiker in die politische Geschichte der Region zurückblicken. Schließlich verdankt man die Nennung des "Kelbraischen Heilbrunnens" einem Lehnbrief der Schwarzburger Grafen aus dem Jahre 1434.

Quelle vor der Freilegung © Dieter BauerQuelle vor der Freilegung © Dieter Bauer

Quelle mit Grenzstein nach der Freilegung © Dieter BauerQuelle mit Grenzstein nach der Freilegung © Dieter Bauer

Die noch vorhandenen Grenzsteine sind allerdings jüngeren Datums. Sie erinnern an die Amtsgrenze Schwarzburg / Sondershausen zum Gemeinschaftsamt Schwarzburg / Stolberg und sind 1735 bzw. 1741 aufgestellt worden. Die Wanderung auf dem Geopfad, einem Teil des zertifizierten Kyffhäuserwanderweges, führte die Wanderer auch noch einige Millionen Jahre zurück. Der Steinbruch im Borntal am Heiligen Born legt Gneis und Gabbro frei. "Das magmatische Gestein ist ein Zeitzeuge der ersten Auffaltung Europas", berichtet Manfred Schröter vom Verein "Goldene Aue". Er erläutert außerdem die Entstehung des verkieselten Holzes, welches man im Kyffhäuserwald finden kann und hatte passend zur "Heilwanderung" Blätter des Ginkgobaumes im Gepäck. Auch bei diesen lebenden Relikten des Erdmittelalters griffen viele Wanderer gern zu.

Manfred Schröter (Bildmitte) erläutert die Geschichte des Johanna Westphal-Denkmals © Steffi RohlandManfred Schröter (Bildmitte) erläutert die Geschichte des Johanna Westphal-Denkmals © Steffi Rohland

Denkmal für Johanna Westphal © Manfred SchröterDenkmal für Johanna Westphal © Manfred Schröter

Gesundheitsfördernde Bewegung gab es an diesem sonnigen Herbsttag mehr als genug: Die Wanderer entdeckten am Wegesrand das Denkmal für Johanna Westphal, der Ehefrau des Initiators des Denkmalbaues auf dem Kyffhäuser. Dann lenkten viele ihre Schritte auch noch zum Kyffhäuserdenkmal beziehungsweise zur Ruine der Unterburg.

Blick zum Kyffhäuserdenkmal © Manfred SchröterBlick zum Kyffhäuserdenkmal © Manfred Schröter

Für Pauline Salva (7) waren die Informationstafeln und Aktionsstände zum Thema Tiere und Pflanzen am Wegesrand interessant. Ihre Mutter, Liane Salva nahm auch gern die Informationen der Wanderführer auf, zu denen auch Gerhard Werther gehörte. Sie sagte: "Da lernt man selbst viel dazu und kann es an die Hortkinder der ,Kyffhäuserzwerge' weitergeben."
Am Ende waren sich die Organisatoren beider Vereine einig, dass man zukünftig weitere Veranstaltungen gemeinsam organisieren will. Die nächste Frühjahrswanderung geht dann in den Südharz.

Auf den Spuren des Preußischen Königreiches

KELBRA / Über 30 Wanderer folgten am Samstag der Einladung des Fördervereins für Heimatgeschichte der Stadt Kelbra und des Heimat- und Geschichtsverein „Goldene Aue" zu einer Grenzsteinwanderung am Rande des Königreiches Preußen.
Die Grenzsteintour führte das Hopfental und Kellental hinauf zur Hüflarbaude und zurück nach Kelbra. Rund sechs Stunden waren die Heimatfreunde auf dem etwa fünf Kilometer langen Rundwanderweg unterwegs. Dieser, mit einem gelben Strich gekennzeichnete Weg, wurde Mitte der 1980er Jahre angelegt. Er führt entlang einer uralten Grenze. Seit 50 Jahren kontrolliert Manfred Schröter vom Heimat- und Geschichtsverein „Goldene Aue" in regelmäßigen Abständen die historischen Grenzsteine auf Vollständigkeit. Den Abschnitt der einstigen Grenzlinie Schwarzburg-Sondershausen/Königreich Preußen zwischen Kelbra und Nordhausen, entlang der Hainleite und Windleite, kennzeichneten ursprünglich 273 kleine Obelisken aus rotem Sandstein. „Leider werden es immer weniger", bedauert Schröter. „Zerstörung durch Unachtsamkeit bei landwirtschaftlichen
Arbeiten und das Entfernen der Steine durch Unbekannte sorgen auch hier für Lücken." Westlich des alten Fahrweges nach Badra und dem anschließenden Grenzgraben stehen aber noch einige dieser Steine. Dabei ist der Stein mit der Nummer 22 ein Unikat. Manfred Schröter vermutet, dass die Steine bereits in einer Werkstatt vorgefertigt wurden. „Dabei kam es beim Stein Nummer 22 zu einem Fehler", sagt er. „Die Weisung auf dem Kopf, welche den Verlauf der Grenze anzeigt, war falsch. Sie wurde vor Ort nachträglich korrigiert. Die falsche Linie hat man durch Punkte unkenntlich gemacht."

 

Manfred Schröter (2.v.re.) berichtet aus der wechselvollen Geschichte der Grenzlinie Schwarzburg-Sondershausen und dem Königreich Preußen am Kyffhäuser

Manfred Schröter (2.v.re.) berichtet aus der wechselvollen Geschichte der Grenzlinie Schwarzburg-Sondershausen und dem Königreich Preußen am Kyffhäuser © Steffi Rohland

Auch der Oberförster a.D. Günther Ludwig erläuterte den Wanderern den Grenz- und Wegeverlauf in diesem Gebiet. Im so genannten Wienhölzchen steht der nächste Stein, mit der Nummer 23. Das sehr gut erhaltene Exemplar trägt auf einer Seite die Initialen S.S. für das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen, auf der Gegenseite K.P. für das Königreich Preußen und die jeweilige Nummer.
Sorgfältig behauen stehen diese Steine seit rund 180 Jahren an ihrem Platz. „In welchem Jahr die Aufstellung erfolgte, ist nicht bekannt", erklärte Schröter. „Die Kelbraer Chronik berichtet nichts darüber. Auch in den Archiven sind wir bisher nicht fündig geworden. Die Suche danach ist sehr zeitaufwändig." Jeder gefundene Stein wurde aufmerksam betrachtet und je nach Attraktivität oft fotografiert. Am Stein Nummer 13 erhielten die zwei jüngsten Exkursionsteilnehmer je einen Bonbon. „Bei früheren Grenzumgängen war es üblich, dass man den Kindern entweder ein Geldstück oder ein paar Ohrfeigen gab", sagte Manfred Schröter. „Dadurch sollten sie sich den Standort besser merken."

Grenzstein Nummer 23 Grenzstein Nummer 23 Grenzstein Nummer 23 Grenzstein Nummer 23
 Der Grenzstein Nummer 23 ist sehr gut erhalten © Steffi Rohland

Der Grenzverlauf hat eine sehr wechselvolle Bedeutung: Die älteste Nennung geht auf das Jahr 1417 zurück. Damals verpfändeten die Thüringer Landgrafen das Amt Kelbra an die Stolberger Grafen. 1428 belehnten die Herzöge von Sachsen die Schwarzburger und die Stolberger Grafen gemeinsam mit diesem Amt. 1815 erfolgte die Abtretung des Amtes Kelbra von Sachsen an Preußen. Nach der Auflösung Preußens, 1947, trennte die Grenze die Länder Thüringen und Sachsen-Anhalt, bis zur Bildung der Bezirke und Aufhebung der Länder im Jahre 1952. Bis 1990 bildete sie die Grenze zwischen den Bezirken Erfurt und Halle, danach wurde sie wieder zur Ländergrenze zwischen Sachsen-Anhalt und dem Freistaat Thüringen.
Die ältesten Steine tragen auf der Schwarzburger Seite eine Gabel und auf der Seite des Gemeinschaftsamtes Schwarzburg-Stolberg eine Gabel und einen Kreis. Zu nicht bekannter Zeit ersetzte man schon fehlende Grenzsteine durch kleine Steine mit halbrunden Kopf und ohne Zeichen. Die Preußen machten es dann sehr gründlich. An jeder Stelle wo ein Stein stand wurde zusätzlich ein neuer aufgestellt, so das heute auch mehrfach versteinte Grenzpunkte gibt.

Doppelversteinung am Grenzstein Nummer 13 © Steffi Rohland

 

Wanderer auf Steinpatrouille

BREITENSTEIN / Fast 300 Jahre haben die Grenzsteine im Wald gestanden. Heute sind sie bedrohter denn je. Bedrohlich nahe steht das Rückefahrzeug bei den so genannten Dreiherrensteinen, der historischen Grenze von Chursachsen und Churhannover bei Breitenstein. Am Birkenkopf, dem Ausgangspunkt der alten Grenzlinie Chursachsen-Churhannover von 1735, sind die Waldbauarbeiten weit vorangeschritten, aber am Samstag, als die 20 Wanderer dort ihren Stempel für die Harzer Wandernadel abholen, ruhen die Arbeiten.

Gern hätte Manfred Schröter vom Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue, mit den Forstarbeitern über die Bedeutung der Steine gesprochen und um Vorsicht bei den Arbeiten gebeten. Denn manche Steine in der Umgebung tragen bereits Blessuren. Zumindest hat man das Schild, das auf die Dreiherrensteine hinweist, an einem der Steine abgestellt. Ursprünglich war es an einem Baum befestigt, der nun im Polter auf seinen Abtransport wartet.
Die Gäste, die am Samstag der Einladung des Heimat- und Geschichtsvereins "Goldene Aue" und des Biosphärenreservates "Karstlandschaft Südharz" gefolgt waren, erwarteten aber nicht nur geschichtliche Ausführungen zu verschiedenen Grenzlinien, sondern viele naturkundliche Erläuterungen. Oftmals machte Uwe Kramer vom Biosphärenreservat und Hobbyornithologe die Wanderer auf die Vogelstimmen aufmerksam. So lockte irgendwo im Geäst der Bäume das Sommergoldhähnchen seine Braut.
Dank der frühlingshaften Temperaturen waren auch der Buchfink und die Heckenbraunelle schon in Hochzeitsstimmung.

In einem Fichtenbestand erläuterte der ehemalige Revierförster Heinz Schultke die Markierungszeichen an den Fichtenstämmen.
Die Einritzungen wurden vorgenommen, um den Bestand vor dem Rotwild zu schützen. Ist der Baum soweit eingeritzt, dass das Harz austritt, geht der Hirsch nicht mehr dran, haben die Forstleute herausgefunden. "Damit man nicht alle Bäume anritzen musste, wurden nur die genommen, die einmal stehen bleiben sollten", sagte der ehemalige Förster.
An einem Wildwechsel lehrte er die Interessierten, die Spuren des Wildes zu lesen. Allein an einem Hufabdruck bestimmte er, dass es sich bei dem Tier um eine Hirschkuh handeln würde. Wenig später bestimmte er die so genannte Losung auf dem Waldweg. "Das war ein Hirsch", sagte er. Den staunenden Wanderern zeigte er Näpfchen und Zäpfchen am kugeligen Kot, die ihm die Bestimmung ermöglichen. "Beim weiblichen Tier sind die Kugeln etwas oval", sagt Heinz Schultke.

Besonders im jüngsten Wanderteilnehmer, Oliver Hoche (10) aus Herrmannsacker, fand er einen interessierten Zuhörer. Dieser entdeckte nicht nur viele Besonderheiten im Wald, sondern war auch oftmals der Erste, der einen der alten Grenzsteine fand.

Dass war ja auch Sinn der Sache. Schröter: "Schließlich wollen wir unser Wissen über den Verlauf der Grenze an die jüngere Generation weitergeben."