Der Heimat- und Geschichtsverein veranstaltet Wanderungen und Exkursionen

 oder nimmt mit seinen Mitgliedern an Veranstaltungen anderer Anbieter teil.


 

1200 Jahre Ortsgeschichte mit Anfassen

Jubiläumsfeier mit historischem Ortsrundrundgang, Festgottesdienst und Unterhaltung auf der Pfalz

Die Veranstaltungen zum 1200jährigen Ortsjubiläum von Tilleda zogen trotz tropischer Temperaturen zahlreiche Gäste an. Den Auftakt bildete am Freitagabend, 18. Juli, ein historischer Ortsrundgang, bei dem sich über 60 Besucher gern zu einer Zeitreise einladen ließen.

Michael Richter vom Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue hatte dazu Bilder historischer Ansichten verteilt und die Teilnehmer aufgefordert, sich zu melden, wenn jemand ein Gebäude wiedererkennt. Keine Zweifel gab es am ältesten Bauwerk, dem spätromanischen Turm der Sankt-Salvator-Kirche. Er wurde, so Michael Dapper Leiter der Königspfalz, von den „Tilledaern" errichtet, nachdem sie das Gelände der Pfalz verlassen hatten. „Das Kircheninnere ist sehenswert", warb Michael Richter bei seinen Erläuterungen unter den Besuchern. „Der reich verzierte Altar stammt von 1718 und der Taufstein von 1519. Dazu kommen eine 300 Jahre alte Papenius-Orgel, die uralten Grabplatten und ein Fußboden aus Anhydritfliesen. Das alles gibt es nur in Tilleda zusehen."

Viel Zeit nahm sich Müllermeister i. R. Günther Bosse (83) mit einer Führung in der ehemaligen Mühle. 1902 erwarb die Familie Bosse die Mühle und 1964 wurde hier das letzte Mehl gemahlen. „Ich kann mich noch erinnern, wie wir die Kornsäcke gebracht und das Schrot geholt haben", sagte Manfred Wirth, was seine Schwester Gisela Richter aus Wallhausen bestätigte.

Tilleda besaß auch eine eigene Brauerei in der Poststraße. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts stellte sie ihren Betrieb ein. Michael Richter berichtete, dass es im Gebäude zweietagige Keller gibt. „Auf der Sohle sieht man noch den Brunnen, aus dessen Wasser das Bier gebraut wurde."

Dass Tilleda die „Hauptstadt der Mühlsteine" in der Kyffhäuserregion ist, kann man in vielen Straßen sehen. „Rund 40 Mühlsteinrohlinge habe ich am Straßenrand gezählt", sagte Richter. „Ich vermute, dass in den Höfen und Gärten noch viel mehr liegen." Anke Kundlatsch aus Kelbra war von dieser Führung begeistert: „Es hat mir gefallen. Die Geschichte interessiert mich." Auch Sandra Zetzsche und Eva-Marie Pietsch erfuhren beim Rundgang viel Neues über ihren Heimatort.

Pfarrer Folker Blischke und Vikarin Eva Kania hatten den Festgottesdienst am Sonntag kurzerhand in die Grundmauern der alten Pfalzkirche verlegt. Umrahmt von Musikstücken des Fanfarenzuges Tilleda wird diese Veranstaltung im Schatten der Bäume sicher noch lange in Erinnerung bleiben. Auf dem Festplatz in der Vorburg verkündeten tagsüber vier Schützenvereine mit Böllern und Kanonen das Jubiläum. Neben allerlei Möglichkeiten zur Betätigung führten Michael Dapper und der gebürtige Tilledaer Falk Getschmann mit ihren Vorträgen in die Geschichte des Ortes und der Pfalz zurück. Unter den Gästen war auch Annemarie Striegnitz (87). „Eine kleine, aber schöne Feier", lobte sie. „Ich war schon 1972 bei der 1000-Jahrfeier der Pfalz dabei." Matthias Ehrhardt und Tochter Hanna waren von den Angeboten am Pfalzstand begeistert. Vater Matthias probierte sich mit Münzmeister Thomas Krieg beim Schlagen der Jubiläums-Gedenkmünze währenddessen Hanna sich bemühte, auf einem Horn zu spielen.

Geschichte-Erleben-Tour führte über den Kaiser-Otto-Höhenweg

Über ein Dutzend Wanderer ließen es sich am Sonntag, den 18.5.2014, trotz feuchter Witterung nicht nehmen, auf dem Kaiser-Otto-Höhenweg zwischen Sangerhausen und Bennungen zu wandern. Eingeladen hatten zu dieser 12 Kilometer Tour der Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue und das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz (BR). Es war die dritte Wanderung unter dem Thema „Geschichte erleben im Biosphärenreservat". Manfred Schröter vom Geschichtsverein und Uwe Kramer vom BR informierten dabei ausführlich über Sehenswürdigkeiten in der Landschaft und die Geschichte zur Pfalzenzeit vor über 1000 Jahren.

Über ein Dutzend Wanderer ließen es sich am Sonntag trotz feuchter Witterung nicht nehmen, 12 Kilometer auf dem Kaiser-Otto-Höhenweg zwischen Sangerhausen und Bennungen zu wandern.Über ein Dutzend Wanderer ließen es sich am Sonntag trotz feuchter Witterung nicht nehmen, 12 Kilometer auf dem Kaiser-Otto-Höhenweg zwischen Sangerhausen und Bennungen zu wandern.

Auf dem Kamm des Butterberges am Nordrand der Goldenen Aue zogen im Mittelalter Könige und Kaiser mit ihrem Gefolge von der Pfalz Nordhausen in Richtung Allstedt. Abzweige führten zu den Pfalzen Tilleda und Wallhausen, dem Geburtsort Otto des Großen. Hier erblickte er am 23. November 912 in der herzoglichen Burg als Sohn Heinrich des I. und Mathilde das Licht der Welt. Eine Woche später starb am gleichen Ort sein Großvater, der Herzog Otto der Erlauchte. Sowohl von der Herzogsburg als auch der späteren Pfalz fehlt bisher jede sichere Spur. Ihre Entdeckung wäre in jedem Fall eine wissenschaftliche Sensation.
Die damaligen Züge der Herrscher durch die Lande waren ein mühseliges Unterfangen für Ross und Reiter sowie die Transportkolonnen. Alle Wege waren unbefestigt, dazu bei Wind und Wetter von zahllosen Pferdehufen und Ochsenkarren aufgewühlt.
Von diesen widrigen Verhältnissen ist heute nichts mehr zu spüren. Für sicheres Geleit sorgt auch die fast fertiggestellte Markierung des Wanderweges mit dem Otto-Symbol auf grünem Grund.
Den Weg schneidet die Gemarkungsgrenze zwischen Wallhausen und Sangerhausen. „Sie reicht bis in das 6. Jahrhundert zurück", informierten die Mitglieder des Geschichtsvereins. „Als Sachsgraben teilte sie einst nach dem Untergang des Thüringer Reiches im Jahre 531 die Goldene Aue in je eine Hälfte der Franken und der Sachsen." Später war sie Grenze zwischen den Gauen Friesenfeld und Helmegau bzw. den Bistümern Halberstadt und Mainz. Seit 1599 stehen zwischen Grillenberg und der Helme Grenzsteine mit dem Kursächsischen Wappen, von denen vermutlich nur zwei die Zeiten überstanden haben.
Für gute Laune, trotz einiger Regenschauer, sorgten die zahlreichen Nachtigallen rechts und links des Weges. Uwe Kramer zeigte sich als ein guter Kenner der Vogelwelt und konnte jede Vogelstimme identifizieren. Aber, an diesem Tag hatte das alte Sprichwort: „Die Vögel singen vor dem Regen" voll ins Schwarze getroffen.
Das Resümee der Teilnehmer am Ziel in Bennungen drückte den Wunsch nach weiteren solchen Touren aus. „Jetzt tuen aber langsam die Beine weh", bekannte Petra Wohlgemuth aus Lengefeld. Zusammen mit ihrem Mann Friedhelm wanderte sie diesen Weg zum ersten Mal mit.

Der Kaiser-Otto-Höhenweg wurde am 23. November 2012, dem 1100. Geburtstag Ottos des Großen getauft. Ursprünglich war es der Höhenweg. Die Idee, den größten Sohn der Goldenen Aue auf diese Weise zu würdigen, stammt vom Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue. Bei der Umsetzung gibt es Unterstützung durch das Biosphärenreservat und den Tourismusverband Sangerhausen-Südharz.  

Vom insgesamt 14 Kilometer langen Kaiser-Otto-Höhenweg bieten sich herrliche Ausblicke in die Goldene Aue, auf das Kyffhäusergebirge und sogar bis zur Eichsfelder Pforte, zudem auf die Karstlandschaft am Südharzrand. 

Grenzsteinwanderung mit Jägerlatein gewürzt

Heimat- und Wanderfreunde auf Grenzgang vom Kriegsholz bis zum Birkenkopf

Bei Grenzumzügen gab es früher für die jüngsten Teilnehmer zuerst eine Ohrfeige und danach ein Geldstück oder Süßigkeiten. Auf diese Weise sollten sie sich den Grenzverlauf einprägen. Alte Akten berichten auch, dass es nicht selten zu Streitigkeiten mit den Nachbargemeinden kam, wenn der exakte Verlauf nicht mehr klar zu erkennen war. Da ging es am vergangenen Samstag bei Breitenstein, an der Grenze zwischen Kursachsen und Kurhannover, wesentlich unterhaltsamer und friedlicher zu. Gab es doch auch ein kleines Jubiläum: Vor genau 20 Jahren hatten Mitglieder des Heimat- und Geschichtsvereins „Goldene Aue" mit der Inventarisation der ehemals 242 Grenzsteine auf dem rund 40 Kilometer langen Abschnitt dieser Grenze begonnen.

Uwe Kramer, Mitarbeiter im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz, erklärt an einem altem Grenzstein die historischen Hintergründe seiner Aufstellung. In diesem Jahr nahmen rund 20 Heimatfreunde am Grenzumzug bei Breitenstein teil. Uwe Kramer, Mitarbeiter im Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz, erklärt an einem altem Grenzstein die historischen Hintergründe seiner Aufstellung. In diesem Jahr nahmen rund 20 Heimatfreunde am Grenzumzug bei Breitenstein teil.

Seit 11 Jahren absolvieren der Heimat- und Geschichtsverein „Goldene Aue" und das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz für interessierte Heimatfreunde einen „kleinen Grenzumzug" im Kriegsholz und am Birkenkopf bei Breitenstein. Rund 20 Wanderfreunde nahmen in diesem Jahr daran teil. Bei den Steinen mit den Nummern 1a, b und c bekamen sie vom Geschichtsverein zwei Bonbons spendiert, einen zum Lutschen und den anderen für später, zur Erinnerung an diesen Tag.

Als Ehrengast konnte Werner Fröhlich (83) aus Breitenstein für die Tour geworben werden. Er hatte bereits vor Jahrzehnten Urlauber auf den Spuren der historischen Grenzen in dieser Region geführt. Er ergänzte mit seinen Kenntnissen Uwe Kramers Erklärungen und würzte die diesjährige Tour mit regionalen Sagen und etwas Jägerlatein. Schon die Suchaufgabe nach den drei alten Ahornbäumen erweckte Neugier. Bei einer solchen Baumgruppe erklärte Fröhlich augenzwinkernd:" Hier sollen vor 200 Jahren französische Soldaten auf der Flucht die Kriegskasse vergraben haben. Gefunden wurde sie bisher noch nicht." Dafür fiel ihm noch eine andere Episode ein: So hatte einst der Jäger Fröhlich beim Ansitz sein Gewehr an einen trockenen Ast gehängt. Dieser entpuppte sich als das Geweih eines Hirsches und das Gewehr verschwand mit dem Tier im Wald.

Sandro Meyer (li.) und Uwe Kramer zeigen Sybille Emmelmann aus Herrmannsacker vor dem Stein mit der Nummer drei den entsprechenden Text im Grenzsteinbuch des Landesamtes für Archäologie. Rund 20 Teilnehmer  kamen zum diesjährigen Grenzumzug nach Breitenstein. Sandro Meyer (li.) und Uwe Kramer zeigen Sybille Emmelmann aus Herrmannsacker vor dem Stein mit der Nummer drei den entsprechenden Text im Grenzsteinbuch des Landesamtes für Archäologie. Rund 20 Teilnehmer kamen zum diesjährigen Grenzumzug nach Breitenstein.

Die vor 279 Jahren aufgestellten Steine der Grenze Kursachsen-Kurhannover am Birkenkopf zeigten sich am Samstag in der schönsten Frühlingssonne. Bei den sogenannten „Dreiherrensteinen" beginnt der im Jahre 1735 mit sehr aufwändig gearbeiteten Steinen markierte Abschnitt dieser Grenze, berichtete Uwe Kramer. Die Steine mit dem springenden Pferd für das Kurfürstentum Hannover und dem schreitenden Löwen für Kursachsen sind aber auch ein beredtes Zeugnis der Steinmetzkunst aus dieser Zeit. Leider ist nicht bekannt, wo sie angefertigt worden sind. Das Aufstellen, überwiegend im unwegsamen Gelände, war Knochenarbeit. Jeder Stein ist insgesamt 1,20 Meter lang und wiegt rund 200 Kilogramm. Sichtlich beeindruckt davon waren Hartmut und Annelie Holzhause. Sie kannten zwar, wie auch Sybille Emmelmann, die auch zu dieser Grenze gehörenden Steine vor ihrer Haustür, bei Herrmannsacker und Buchholz, aber die historischen Hintergründe waren weitgehend neu für sie. „Im nächsten Jahr wieder", lautete deshalb ihr Abschiedsgruß nach der rund dreistündigen Wanderung.

Grenzstein Nr. 3 Grenzstein Nr. 3 Die am Birkenkopf bei Breitenstein beginnende Grenzlinie Kursachsen-Kurhannover von 1735 ist von Mitgliedern des Heimat- und Geschichtsvereins Goldene Aue in einem Katalog des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt veröffentlicht. Darin sind sämtliche damals vorhandenen Grenzsteine beschrieben und abgebildet sowie der geschichtliche Hintergrund der Grenze dargestellt.

Jeder Stein trägt eine fortlaufende Nummer und fast immer die Jahreszahl 1735. Sie kennzeichnen bis zum heutigen Tag Landes-, Kreis- und Flurgrenzen und stehen außerdem unter Denkmalschutz. Das Entfernen wird strafrechtlich verfolgt.

Armen Schmuggler um das Schmuggelgut gebracht

Sonntagswanderer begegneten bei Berga einem Salzschmuggler

Der Salzschmuggler (Gerhard Schröter) wurde am Ende auch noch seine Schmuggelware los. Der Salzschmuggler (Gerhard Schröter) wurde am Ende auch noch seine Schmuggelware los. Der Schreck war dem armen Schmuggler in die Glieder gefahren, als er am alten Hohlweg an der Grenzeiche zwischen Bösenrode und Berga entdeckt wurde. Der „Apelsche aus der Flamenzeile" war gerade mit einem schweren Sack unterwegs, als die Sonntagswanderer vom Grenzstein Nummer 229 zum nächsten gingen. Mit der Bitte, „verratet mich nicht", bot er zunächst „Bestechungsplätzchen" für alle an. Aber einige Wanderer schauten trotzdem nach, was da eigentlich über die historische Grenze von Chursachsen und Churhannover geschmuggelt werden sollte. Am Ende wurde der arme Schmuggler auch noch seine kostbaren Salzsäckchen los. Der Auftritt des „Salzschmugglers" (Gerhard Schröter von der Theatergruppe Tempus Saltus), wird den Teilnehmern der Sonntagswanderung in Erinnerung bleiben. Dabei hat er sogar einen historischen Hintergrund: Aufgrund der Salzsteuer in Preußen gab es einen regen Salzschmuggel an der historischen Grenze von Chursachsen-Churhannover von 1735.

Aber zunächst fragten sich die Organisatoren vom Heimat- und Geschichtsverein „Goldene Aue" und dem Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz: „Traut sich jemand bei Minus acht Grad Celsius und rund acht Zentimeter Schnee aus dem Haus?" 41 Männer, Frauen und Kinder waren neugierig genug und kamen zur Wanderung nach Berga, um „Geschichte im Biosphärenreservat - Auf Schmugglerpfaden" zu erleben. Dabei musste schon die Sankt-Petri-Pauli-Kirche einige Geheimnisse preisgeben. Die Wanderer erfuhren etwas über die relativ kurze Bauzeit der neogotischen Kirche, in deren Kirchenfenstern nicht nur der Vorgängerbau, sondern auch die bauausführenden Honoratioren verewigt worden sind.
Während die ehemalige Ratzelburg in unmittelbarer Umgebung der Kirche einige Rätsel aufgibt, ist die Grenze von Chursachsen und Churhannover aus dem Jahre 1735, schon gut erforscht. Bei der Vorstellung der noch vorhandenen Grenzsteine zwischen Berga und Bösenrode, war Manfred Schröter, ortsansässiger Bodendenkmalpfleger und Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins „Goldene Aue", in seinem Element.

Manfred Schröter vom Heimat- und Geschichtsverein „Goldene Aue“ erklärte die Geschichte der Grenze Chursachsen-Churhannover.Manfred Schröter vom Heimat- und Geschichtsverein „Goldene Aue“ erklärte die Geschichte der Grenze Chursachsen-Churhannover.


Bei idealem Winterwetter ging es zur Kirche Sankt Nikolai in Bösenrode, wo Belinda Hesse den Wanderern aus vielen Orten der Region, unter anderem die restaurierten Deckengemälde zeigte.
„Dass es in Bösenrode eine Pantoffelfabrik gab, wusste ich nicht", sagte Christiane Käfer aus Kelbra. „Aber auch sonst war die Wanderung interessant." So brauchte man doch über zwei Stunden, bis man die knapp vier Kilometer über „die Mause" wieder in Berga war. Im Seniorenwohnheim „Goldene Aue" gab es bei heißen Getränken und einer leckeren Gulaschsuppe reichlich Gesprächsstoff.
Zum Abschluss bekamen die anwesenden Junior-Ranger von Christiane Funkel vom Biosphärenreservat noch ihren Teilnahme-Stempel und die Hausaufgabe, bei der es diesmal auch um die „Löwen- und Pferdchengrenze" geht.

Historische Spurensuche mit musikalischem i-Tüpfelchen

Verein setzt Tradition der historischen Ortsbegehungen fort

NIENSTEDT/Großleinungen. Über die Entstehung der Nagelsteine wird gesagt, dass fahrende Handwerksgesellen Nägel in die Steine geklopft haben, um festzustellen, ob sie Glück haben. Am Samstag durften die rund 40 Teilnehmer des historischen Rundgangs in Nienstedt selbst einmal ausprobieren, wie schwierig es war, einen Hufnagel in den tiefporigen Stein zu bekommen. Werner Reich vom Heimat- und Geschichtsverein „Goldene Aue" und der Nienstedter Landwirt Friedrich Lehnhardt bereicherten damit die Veranstaltung, die sich rund um die Denkmale des Ortes Nienstedt drehte. Werner Reich nahm die Besucher mit auf eine Zeitreise bis in das 18. Jahrhundert. Er zeigte zum Beispiel denkmalgeschützte Gebäude mit Laubengängen und das älteste Haus des Ortes, welches 1768 gebaut worden war. Seine Ausführungen vom Rundgang ergänzte er im Anschluss mit einem Bildervortrag mit historischen Ansichten.

Eine weitere Vereinsveranstaltung gab es am Sonntag in Großleinungen. In Kooperation mit dem ortsansässigen Verein der Original Leinetaler 1875, dem Ortschronisten Rudolf Steyer, der Familie Sebastian Karl und dem Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz ging man erstmals im Leinetal auf historische Spurensuche.

Nach langwieriger Vorarbeit machte fast das Wetter einen Strich durch die Rechnung: Zur Zeit des Treffpunktes in der Kirche regnete es. Trotzdem waren rund 30 Interessierte gekommen, die von Dorothea Schultz mit einem Musikstück auf der Rühlmann-Orgel begrüßt wurden. Die restaurierte Orgel gehört zu den besonderen Schätzen der Kirche, da sie mit einem mechanischen Orgelwerk noch zu den Frühwerken des Orgelbauers Rühlmann gehört. „Später hat er pneumatische und elektrische Orgeln gebaut", berichtete Dorothea Schultz.

Für Andreas Schmölling aus Artern sind Grabsteine, wie dieses Epitaph in der Großleinunger Kirche, immer eine Fundgrube von Fakten. Für Andreas Schmölling aus Artern sind Grabsteine, wie dieses Epitaph in der Großleinunger Kirche, immer eine Fundgrube von Fakten.  

Mit einem Faltblatt in der Hand, das die 14 Stationen des Rundganges zeigte und kurz erläuterte, folgten die Besucher inzwischen bei Sonnenschein dem Ortschronisten Rudolf Steyer. Anhand der umfangreichen Unterlagen und eigener Erlebnisse, konnte er den reinen Gebäudeansichten auch Leben einhauchen. Vom ältesten Siedlungsplatz auf dem Heik, ging die Geschichtsreise bis zur jüngst sanierten Grundschule. 

Ortschronist Rudolf Steyer führte rund 30 Leute durch seinen Heimatort Großleinungen.Ortschronist Rudolf Steyer führte rund 30 Leute durch seinen Heimatort Großleinungen.

Die landwirtschaftliche Ausstellung im Vierseithof der Familie Karl interessierte die Exkursionsteilnehmer. Die landwirtschaftliche Ausstellung im Vierseithof der Familie Karl interessierte die Exkursionsteilnehmer. Hans-Joachim Telke war extra aus Staßfurth gekommen, um seinen ehemaligen Wohnort zu besuchen. „Ich hatte mich auf einen Besuch des Rittergutes gefreut", sagte er. Aber trotz großer Bemühungen der Organisatoren war der heutige Besitzer nicht bereit sein Grundstück für eine Besichtigung zu öffnen. Die historischen Erläuterungen zum jahrhundertealten Gebäude gab es von Brigitte Schaumkelle vom Heimat- und Geschichtsverein Goldene Aue trotzdem.

Zum Abschluss waren alle Exkursionsteilnehmer in den historischen Vierseithof von Familie Karl eingeladen. Sebastian Karl präsentierte hier eine landwirtschaftliche und hauswirtschaftliche Ausstellung. Abgerundet wurde das Programm mit einem Auftritt des Heimatchores Großleinungen, dessen Sänger auch das Publikum zum Mitsingen brachte.

Der Gemischte Chor von Großleinungen setzte das i-Tüpfelchen auf den gelungenen Tag.